Neue schonende OP-Methode bei Hämorrhoidenleiden

05.11.19, Krankenhaus Maria-Hilf Krefeld

„Hämorrhoiden sollten kein Tabuthema mehr sein“

Dr. Faramarz Pakravan (FASCRS)*, Koloproktologe am Krankenhaus Maria-Hilf, führt eine selbst entwickelte schonende OP-Methode bei Hämorrhoidenleiden durch

Was sich am Ausgang unseres ausgedehnten Verdauungstraktes abspielt, mögen wir auch in der heutigen aufgeklärten Zeit ungern preisgeben, nicht einmal dem Arzt des Vertrauens oder Bezugspersonen. Dr. Faramarz Pakravan, Leiter des Schwerpunktes Koloproktologie des Krankenhauses Maria-Hilf, weiß: „Gerade bei der Volkskrankheit `Hämorrhoiden` kommen die Patienten erst sehr spät zum Arzt, wenn praktisch das Leiden die große Scham überwiegt.

Dabei gibt es heute zahlreiche Behandlungsoptionen, wenn sich der Betroffene dem Arzt nur rechtzeitig vorstellt.“ Dr. Pakravan ist erfahrener Koloproktologe und Visceralchirurg mit international anerkannter Expertise, insbesondere in der chirurgischen Therapie der Dick- und Enddarmerkrankungen sowie der Senkung der Beckenorgane. Vor allem ist er weltweit renommiert im Bereich der Behandlung der Stuhlinkontinenz. Seine Philosophie ist, jeden Patienten in seiner Situation zu begleiten und verdeutlicht: „Heute kann ich mit meinem Team in der Koloproktologie insgesamt und speziell in der Hämorrhoidenbehandlung eine Vielzahl schonender Operationsmethoden anbieten. Dabei ist es unser Ziel, in diesem extrem sensiblen Bereich das Höchstmaß an individueller Lebensqualität für den Patienten zu erreichen.“

Das Gewebe erhalten

Bei der Behandlung von Hämorrhoidalleiden geht er innovative Wege. So entwickelte er eine neue einfache und schonende Operationsmethode, durch die auch Hämorrhoidenvorwölbungen zweiten und dritten Grades wieder in ihre ursprüngliche Position gebracht werden können. Das Verfahren nennt sich „Transanale offene Hämorrhoidopexie“, kurz TOH.

Wie funktioniert TOH?

„Das Reizvolle für den Patienten an diesem Eingriff ist, dass eine Wiederherstellung der natürlichen Anatomie unter Erhalt des Gewebes erreicht wird, und das mit minimalen Schnitten in der Enddarmschleimhaut, offen durch den Anus“, erklärt Dr. Pakravan.

„Einfach ausgedrückt, wird hier durch den Anus ein Faden mittels einer sogenannten `Ankernaht` im Enddarm platziert. Durch die Vernähung und Überkreuzverknotung dieses Fadens kann der Operateur per Zug das vorgewölbte Hämorrhoidengewebe wieder in seine ursprüngliche Position zurückziehen. Der Faden löst sich nach und nach auf. Das Gewebe bleibt in der Regel langfristig stabil.“

Was sind eigentlich Hämorrhoiden?

Hämorrhoiden sind Blutadergeflechte, die unter der Schleimhaut liegend, wie weiche Kissen den oberen Analkanal ringförmig auskleiden. Hämorrhoiden liegen bei jedem Menschen vor! Erst, wenn sie sich im Analkanal vergrößern und langsam nach außen gedrückt werden, werden sie ein Fall für die Medizin, zumal sie dann in der Regel Beschwerden verursachen.

Diese sind vielfältig, bis hin zur Beeinträchtigung der Feinkontinenz. Denn das Hämorrhoidalgewebe sorgt in gesundem Zustand für den sicheren Abschluss der Analöffnung.

Wann TOH?

Nach Möglichkeit strebt der Koloproktologe zunächst eine konservative Therapie über einen Zeitraum von drei Monaten an. Hier kann schon über kleine Veränderungen des Alltags eine Verkleinerung und Zurückwölbung der Hämorrhoiden erreicht werden. Dazu gehören eine ballaststoffreiche Ernährung, die Vermeidung von Abführmitteln, die Vermeidung des Pressens beim Stuhlgang und eine sorgfältige Durchführung der Analhygiene. Wenn die konservative Behandlung nicht erfolgreich ist, favorisiert Dr. Pakravan die selbst entwickelte transanale offene Hämorrhoidopexie: „Diese Methode berücksichtigt aktuelle pathophysiologische Erkenntnisse, ist einfach durchführbar und gewebeschonend. Erst dann sollten die zahlreichen weiteren zur Verfügung stehenden Möglichkeiten in Erwägung gezogen werden.“

Wissenschaftliche Anerkennung und hohe Akzeptanz bei den Patienten

Die ersten Eingriffe dieser Art führte Dr. Faramarz Pakravan 2006 durch, unterstützt von Professor Dr. Cornelius Baeten, Universität Maastricht. Mit ihm stellte er 2009 das Verfahren der wissenschaftlichen Fachwelt in der angesehenen US-amerikanischen Fachzeitschrift „Desease of Colon and Rectum“ vor.

Unter anderem in der US-amerikanischen Fachzeitschrift „Seminars in Colon & Rectal Surgery“ im Oktober 2019 veröffentlichte er eine Langzeitstudie, die diese Methode für eine nicht unerhebliche Zahl der Patienten als wirksam im Sinne langfristiger Symptomfreiheit beurteilt. Nicht jedes Hämorrhoidalleiden kann mit TOH erfolgreich operiert werden. Das ist zum Beispiel bei sehr ausgeprägten Auswölbungen vierten Grades der Fall. Dr. Pakravan nutzt aber ein breites Spektrum weiterer Möglichkeiten, je nach Art und Ausmaß der Erkrankung und Situation des Patienten. Er versichert: „TOH ist für den passenden Fall die denkbar verlässlichste Option, vor allem auch unter dem Gesichtspunkt des hier geringen Operationsrisikos.“

Die Studie gibt bei den mindestens acht Jahre nach dem Eingriff kontrolluntersuchten Patienten deutliche Hinweise auf den langfristigen Erhalt der Symptomfreiheit. Schlussfolgerung der Studie: „Die transanale offene Hämorrhoidopexie ist eine sichere Operation mit ermutigenden Langzeitergebnissen.“

Knapp 90 Prozent der Studienteilnehmer würden sich wieder für diese Operation entscheiden!

Schwerpunkt Koloproktologie im Krankenhaus Maria-Hilf

Seit dem 1. Oktober 2018 verstärkt Dr. Faramarz Pakravan das Team der Klinik für Allgemein-, Visceral- und Endokrine Chirurgie des Krankenhauses Maria-Hilf unter der chefärztlichen Leitung von Privatdozent Dr. Elias Karakas. Dr. Pakravan ist ausgewiesener Experte für Koloproktologie mit langjähriger Erfahrung und überregionaler Reputation.

Nach seiner Tätigkeit in der von ihm 2006 gegründeten Gemeinschaftspraxis „Coloproktologisches Zentrum Düsseldorf“ (CPZ) arbeitet er nun im neuen Schwerpunkt Koloproktologie des Krankenhauses Maria-Hilf und leistet Hilfestellung beim Aufbau eines überregionalen Zentrums in Krefeld.

Neben der operativen Tätigkeit bietet Dr. Pakravan zusammen mit Fachärzten der Chirurgischen Klinik im Krankenhaus Maria-Hilf regelmäßig stattfindende Sprechstunden an, die eine umfassende Diagnostik und individuelle Beurteilung der weiteren Therapie beinhalten. Der Schwerpunkt Koloproktologie umfasst die Behandlung aller Erkrankungen des Dick- und Enddarms sowie die Senkung der Beckenorgane. Interdisziplinär erfolgt die operative Therapie gut- und bösartiger Erkrankungen des Dickdarms und Enddarms im Alexianer Darmkrebszentrum.

 

* Dr. Pakravan ist in verschiedenen US-amerikanischen, europäischen und deutschen koloproktologischen Fachgesellschaften aktiv und insbesondere seit Juni 2019 „Fellow of the American Society of Colon and Rectal Surgeons“ (FASCRS). Er sagt: „Dass meine Arbeit für die Patienten durch diese besondere Ehrung ihre Würdigung findet, macht mich besonders stolz.“ Denn Voraussetzung für den Titel „FASCRS“ sind umfangreiche wissenschaftliche und klinische Erfahrungen in der Koloproktologie.