Hilfen für Borderline-Patienten und Angehörige

V. l.: Dr. Andreas Horn, Alexianer Krefeld GmbH, Sabine Thiel, Grenzgänger e.V., und Holger Russ, Novitas BKK

Borderline –

Alexianer Krefeld GmbH, Grenzgänger e.V. und Novitas BKK starten neues Gesundheitsprojekt für Betroffene, Angehörige und Leistungsanbieter

 

 „Borderline“ ist eine psychische Erkrankung, eine Persönlichkeitsstörung, die viele noch nicht kennen. Es fehlt noch an Strukturen des Informationsaustausches und der Vernetzung.  Am Mittwoch, 6.2.2013 begann eine Veranstaltungsreihe zum Thema. 

Zum Projekt zählt zum Beispiel die von der Novitas BKK finanzierte Sprechstunde „Ich hör Dir zu!“ von Sabine Thiel, Selbsthilfegruppe „Grenzgänger e. V.“, die seit Anfang des Jahres in den Räumen der Alexianer Krefeld GmbH angeboten wird. Im Mittelpunkt der Veranstaltungen steht die Borderline-Störung aus medizinischer Sicht. Referent ist Dr. Andreas Horn, Direktor der Psychiatrisch-Psychotherapeutischen Kliniken des Krankenhauses Maria-Hilf der Alexianer Krefeld GmbH. Die Teilnahme an der Eröffnungsveranstaltung und den folgenden Diskussions- und Vortragsveranstaltungen steht im Sinne des Trialogs Betroffenen, Angehörigen und beruflich mit dem Thema Befassten kostenlos offen.

 

„Wir müssen alle Beteiligten an einen Tisch bringen, egal, ob es sich um die Betroffenen, deren Angehörige, Ärzte, Krankenkasse oder Einrichtungen wie das Jugendamt handelt.“, sagt Sabine Thiel, Gründerin der Selbsthilfegruppe „Grenzgänger e.V.“. Sie ist als Mutter eines Kindes mit Borderline selbst betroffen. Und sie hat Mitstreiter gefunden. Für Dr. Andreas Horn stand sofort fest: „Wir werden den Aufbau eines Netzwerkes in Krefeld um Umgebung aktiv unterstützen. Die Behandlungsangebote für Menschen mit einer Borderline-Störung müssen transparenter gestaltet, ausgebaut und besser vernetzt werden. Mehr Information und mehr Kooperation – das brauchen wir.“ „Warum bieten wir nicht eine Veranstaltungsreihe an, in der einmal im Monat Experten bei den Alexianern zu verschiedenen Borderline-Themen Betroffene, Angehörige und Interessierte informieren?“, schlug Holger Russ von der Novitas BKK vor. Nun ist es soweit.

 

Weitere Themen für die nächsten Termine sind bereits festgelegt. Im zweiten Treffen wird das sogenannte „Side-By-Side-Training“, ein Angebot speziell für Angehörige, vorgestellt, das Sabine Thiel mittwochs in den Alexianer-Räumen anbietet. Spezialisierte Therapieangebote wie zum Beispiel DBT, TFP oder STEPPS, ambulante, stationäre und teilstationäre Angebote vor Ort und in anderen spezialisierten Kliniken, Betreutes Wohnen, Gruppentraining sozialer Kompetenzen, die gesetzliche Betreuung, Aufgabe der Opferschutzbeauftragten der Polizei oder rechtliche Grundlagen im Sozial- und Familienrecht zeigen die Vielfalt der Aspekte, die Borderline mit sich bringt.

 

Neue Selbsthilfegruppe in Krefeld

 

Begleitend wurde eine Selbsthilfegruppe gegründet, die sich bereits regelmäßig in Räumen der Klinik trifft.

Des Weiteren ist das 3. Borderline-Fachsymposium, unter der Schirmherrschaft von Bernd Scheelen, MdB, am 5. und 6. Juli dieses Jahres in Vorbereitung.

 

Was ist Borderline?

 

Etwa fünf von hundert deutschen Jugendlichen und jungen Erwachsenen leiden heute unter einer Borderline-Störung: Heftige Schwankungen der Gefühle, suizidale Krisen, Selbstverletzungen und tiefe Verzweiflung gehen einher mit Problemen im zwischenmenschlichen Bereich, die immer wieder zu krisenhaften Zuspitzungen führen. Das gestörte Grundgefühl der „Zugehörigkeit“ zu anderen, kann zu tiefgreifender Einsamkeit und Verlorenheit führen und sich dann mit Enttäuschung und Wut abwechseln.

 

Menschen, die an der Borderline Persönlichkeitsstörung erkrankt sind, zeigen zentral eine Störung der Emotionsregulation, verbunden mit starken Spannungszuständen und Problemen Gefühle zu steuern; zudem werden sie häufig von schmerzhaften Gefühlen überflutet. In diesem Zusammenhang auftretende Impulshandlungen und selbstschädigende Verhaltensweisen sind häufig misslungene Versuche, mit der Anspannung und den schmerzhaften Gefühlen umzugehen.

Wesentlich sind auch starke Instabilität in zwischenmenschlichen Beziehungen und im Selbstbild, Schwierigkeiten, Wut und Ärger zu kontrollieren, Identitätsstörungen, Bemühen, allein sein zu verhindern sowie ein Gefühl der Leere,

Die Borderlinestörung ist eine oft chronische Erkrankung, die auf eine Veranlagung für emotionale Dysregulation, soziale und psychische Ursachen zurückgeht, mit viel Leid für die Patienten selbst, aber auch für ihr persönliches Umfeld, verbunden ist. "Borderline" gehört zu den häufigsten psychischen Erkrankungen und beginnt in der Regel im Alter zwischen Pubertät und circa 30 Jahren.

Die besondere Herausforderung besteht im Erkennen, besonders im rechtzeitigen Erkennen, dieser Erkrankung, aber auch in der Therapie, die das gesamte soziale Umfeld des Patienten berücksichtigen muss.


Kontakt zum Thema:

 

Dr. Andreas Horn, Chefarzt Psychiatrische Kliniken, Sekretariat <link mail internal link in current>Öffnet ein Fenster zum Versenden der E-MailKarin Balters, Tel. (02151) 334-7140