Wir in der Pflege: Pflegebotschafter Tobias Lauritsch stellt sich vor

Lesen Sie hier unser Interview mit dem Pflegebotschafter Tobias Lauritsch in voller Länge (Erstveröffentlichung September 2021). 

Tobias Lauritsch, Jahrgang 1990, absolvierte nach seinem Abitur in den Jahren 2011 bis 2014 seine Ausbildung zum examinierten Gesundheits- und Krankenpfleger in der Alexianer Akademie für Pflege in Krefeld. Sein Einsatzfeld bei den Alexianern ist die geschützte Station der Gerontopsychiatrie. Seit 2019 studiert er berufsbegleitend Pflegewissenschaften an der Steinbeis-Hochschule in Essen.

Haben Sie als Kind schon davon geträumt, einmal Krankenpfleger zu werden?

Oh nein. Wie so viele andere am Ende der Schulzeit war auch ich recht orientierungslos. Erst wollte ich Psychologie oder überhaupt irgendetwas studieren, weil es halt der „übliche“ Weg war zu dieser Zeit. Die sehr hohen Zugangsvoraussetzungen verhinderten das glücklicherweise.

Wie kam es dann zur Krankenpflegeausbildung?

Zunächst aus der Idee, die Zeit zum Studium sinnvoll überbrücken zu können.
Mein Drang nach Autonomie und die Perspektive einer sehr gut bezahlten Ausbildung im sozialen Bereich halfen mir sehr bei der Entscheidung in diese Richtung.

Direkt nach dem Examen begannen Sie in der Geronto-Psychiatrie, ein Fachgebiet, bei dem es um die Pflege schwer an Demenz oder Altersdepression erkrankter Menschen geht. Und dabei sind Sie geblieben.

Ja, das war ganz und gar nicht mein erster Wunsch, dort zu arbeiten. Am Ende meiner Ausbildung allerdings habe ich die Gerontopsychiatrie im wahrsten Sinne lieben gelernt. Meine Bewerbung war zunächst für die Intensivstation und die Stroke Unit (Schlaganfalleinheit). Dann kam mein letzter Praxiseinsatz vor dem Examen in der Gerontopsychiatrie … Die Pflegedirektion konnte glücklicherweise meiner deutlich neuen Bewerbung entsprechen. Ich vermute, wir sind beide ganz zufrieden mit dieser Entwicklung.

Am Ende meiner Ausbildung habe ich die Geronto-Psychiatrie im wahrsten Sinne lieben gelernt.

Tobias Lauritsch

Was ist das Besondere an dieser Aufgabe?

Die Begleitung der uns anvertrauten Menschen erfordert viel Kreativität und geht weit über das reine Fachbuchwissen hinaus. Das ganze Leben ist von der fortgeschrittenen Demenz bestimmt. Das hat eine ganz andere Dimension und Tiefe als viele rein körperliche Erkrankungen, die man behandelt und – im Idealfall – heilt, und der gewohnte Alltag hoffentlich weitergehen kann. Die Gerontopsychiatrie erfordert noch viel mehr Forschung, um die Wirksamkeit von Pflege messbar zu machen. Das sehe ich als positive Herausforderung für die Zukunft.

Wie können Sie sich da einbringen?

Ich arbeite seit einem Jahr als Pflegefachleitung und strebe nach Erlangung des Bachelor-Studienabschlusses vor allem pflegerelevante Forschungsarbeiten an. Die Alexianer entwickeln dieses Berufsfeld völlig neu. Es geht unter anderem genau darum, Erfahrungswerte und Studien für die Pflege der Patienten direkt nutzbar zu machen. Ich kann weiter wissenschaftlich arbeiten und gleichzeitig für die Patienten da sein. Super!

​​​​​​​Gibt es eigentlich aus Ihrer Sicht grundlegende persönliche Eigenschaften, die man für den Pflegeberuf schon mitbringen muss?

Ich halte eine gewisse Kontaktfreudigkeit und vor allem Wertschätzung und Achtung vor dem Menschen als grundlegend. Kommunikation ist der Schlüssel für den Erfolg von Pflege im Sinne von Akzeptanz und Zufriedenheit des Patienten.

Mein Arbeitgeber fördert persönliche Weiterentwicklung. Förderung sehe ich als das Allerwichtigste für dauerhafte Zufriedenheit im Beruf.

Tobias Lauritsch

Häufig werden die Arbeitszeiten und die ständige Bereitschaft einzuspringen ins Feld geführt, wenn es um mangelnde Attraktivität des Pflegeberufes geht. Was meinen Sie?

Die Arbeitszeiten mit Früh-, Spät- und Wochenenddienst passen natürlich nicht bei jedem in die Lebensplanung. Aber das ist eine grundsätzliche Entscheidung, die man ja für ganz viele Berufe treffen muss. Mein wichtigstes Hobby ist der Triathlon, den ich mittlerweile auch auf den Mitteldistanzen absolviere. Das lässt sich gut mit den Diensten vereinbaren. Dass es schwierig ist für Mannschaftsportler, häufiger mal bei einem Ligaspiel nicht dabei sein zu können, kann ich durchaus verstehen. Das Einspringen bei Ausfällen oder kurzfristiges Tauschen von Diensten ist durchaus ein Problem. Bei uns herrscht aber eine deutlich von der Leitung kommunizierte Freiwilligkeit. Das gegenseitige Verständnis innerhalb des Stationsteams, falls man mal nicht einspringen kann, ist auch da.

Jeder hat ja auch mal Zweifel, vielleicht sogar den Gedanken, einen anderen beruflichen Weg einzuschlagen.

Ja, natürlich. Zweifel sind normal, weil es immer auch schwierige Momente gibt. Häufig sind es Rahmenbedingungen, die Zweifel entstehen lassen. Mein Berufsverständnis ist aber so stabil, dass ich mich durch gegebene Verhältnisse nicht so leicht entmutigen lasse. Ganz im Gegenteil: Auch durch mein Studium kann ich Sprachrohr für Verbesserungen sein. Die „Alexianer“ geben uns Pflegekräften dabei den nötigen Raum, sich einbringen zu können, was ich wichtig finde.

Das ist interessant. Inwieweit können Sie sich in Ihrer Arbeit kreativ entfalten?

Mein Arbeitgeber fördert persönliche Weiterentwicklung. Er fördert auch, dass Ideen ausgesprochen werden und gute Ideen Berücksichtigung finden. Wir Pflegekräfte können uns so quasi abheben und werden wahrgenommen. Förderung sehe ich als das Allerwichtigste für dauerhafte Zufriedenheit im Beruf. Ich gebe auch an die heutigen Auszubildenden weiter, dass sie es hier auch perspektivisch sehr gut haben.


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