Spezialgebiet Aortenchirurgie - Professor Luther entwickelt Klinik für Gefäßchirurgie

Prof. Dr. Dr. Bernd Luther in der Angio-Suite; ein spezieller Eingriffsraum zum Beispiel zur chirurgischen Versorgung von Bauchaortenaneurysmen.

14.02.19, Krankenhaus Maria-Hilf Krefeld

Professor Dr. Dr. Bernd Luther ist seit einem Jahr Chefarzt der Klinik für Gefäßchirurgie im Krankenhaus Maria-Hilf und berichtet beispielhaft über die hochkomplexen Eingriffe an der Hauptschlagader

 

Professor Dr. Dr. Bernd Luther ist seit etwas mehr als einem Jahr als Chefarzt der Klinik für Gefäßchirurgie beauftragt, dieses komplexe Fachgebiet umfassend im Krankenhaus Maria-Hilf der Alexianer Krefeld GmbH zu etablieren. Regionalgeschäftsführer Michael Wilke sieht die Zwischenbilanz positiv: „Das erste Jahr übertrifft bereits jede Erwartung. Professor Luther ist unbestritten eine der Kapazitäten auf dem Gebiet der Gefäßchirurgie in Deutschland. Er konnte sein neues Team schnell für seine Arbeit begeistern und der Zuspruch der Patienten gibt ihm und seinem patientenzugewandten Engagement Recht.“

Allein in der besonders anspruchsvollen Aortenchirurgie führte Professor Luther seit dem Start im Dezember 2017 bis heute rund 50 aufwendige Operationen durch (bei circa 600 arteriellen Operationen insgesamt). Gerade die Chirurgie der Hauptschlagader erfordert eine besondere Expertise und Erfahrung seitens des Chirurgen.

 

Im Folgenden beschreibt Luther selbst seine Arbeit und, worauf es ihm bei der Behandlung des Aortenaneurysma, als ein Beispiel lebensbedrohender Gefäßerkrankungen, ankommt:

 

„Mein Grundverständnis für eine patientengerechte Gefäßmedizin ist, dass wir jedem Patienten stets seine individuell geeignetste Behandlung zuschneidern. Dafür ist es wichtig, alle Methoden in einer Hand zu beherrschen, um zu variieren und auch Komplikationen sicher behandeln zu können. Sowohl das Team als auch die medizintechnische Ausstattung ermöglichen dies im Krankenhaus Maria-Hilf in hervorragender Weise.

Das gilt für das gesamte Spektrum der Gefäßchirurgie, also auch für die Behandlung von Erweiterungen (medizinisch: Aneurysmen) der Hauptschlagader (medizinisch: Aorta). Aortenaneurysmen gehören zu den gefürchtetsten Erkrankungen der menschlichen Blutgefäße. Die große Gefahr ist das plötzliche Platzen mit der Folge einer großen inneren Blutung. Kommt es dazu, liegt die Sterblichkeitsrate bei 80 Prozent!

 

Die meisten Patienten mit Aortenaneurysmen sind tückischerweise beschwerdefrei und wissen nichts von ihrer inneren „tickenden Zeitbombe“. Symptome wie Bauch- oder Rückenschmerzen treten erst bei einem großen Befund auf, oder wenn das Platzen des erweiterten Gefäßes kurz bevor steht. Daher ist eine flächendeckende Vorsorgeuntersuchung (medizinisch: Screening) von Patienten über 65 Jahren zu empfehlen. Diagnostisch eignet sich eine Ultraschalluntersuchung oder eine Computertomografie.

Erkrankung und Situation des Patienten sind sehr individuell zu betrachten. Jedes Aneurysma erfordert andere medizinische Entscheidungen, nach Größe, ob im Brust- oder Bauchraum oder, ob Eingeweidearterien einbezogen sind. Auch die Form und das Wachstumstempo spielen eine Rolle. Letztlich sind Begleiterkrankungen, Bluthochdruck, Adipositas sowie Herz-, Lungen- und Nierenerkrankungen zu berücksichtigen.

Im Bereich Therapiemethoden hat sich in den letzten zwanzig Jahren vieles neu entwickelt. Früher gab es nur die offen-chirurgische Ausschaltung des Aneurysma durch eine Gefäßprothese. Heute können immer mehr Aneurysmen minimalinvasiv endovaskulär, also von innen durch das Gefäß versorgt werden. Das geschieht mit einem ummantelten Drahtgitter (medizinisch: Stentgraft). Die offen-chirurgische Operation ist zwar weiterhin eine nachhaltige und gute Therapieoption für Patienten, bei denen ein Stentgraft nicht geeignet ist. Sie bleibt jedoch ein sehr großer operativer Eingriff, der den Körper vor große Belastungen stellt.

 

Vor allem bei Aneurysmen, die an der Brustaorta (medizinisch: thorakale Aorta) lokalisiert sind, kommt es bei offen-chirurgischer Operation zu massiver Kreislaufbelastung und geplanter mehrtägiger Intensivtherapie. Aus diesem Grund konnte man lange Zeit vielen alten und multimorbiden Patienten gar keine Therapieoption anbieten. Das ist heute ganz anders. Die endovaskuläre kathetergestützte Stentgraftimplantation kommt vielen Patienten zu Gute. Hierbei werden in örtlicher Betäubung lediglich ein- oder beidseitig die Leistengefäße über kleine Hautschnitte freipräpariert und über diese die Stentprothese platziert. Es gibt auch die Möglichkeit, dass die Leistengefäße nur durch die Haut punktiert und mit künstlichen Verschlusssystemen anschließend wieder verschlossen werden. Die Sterblichkeit und das Risiko von Nebenerkrankungen sind bei dieser Methode sehr niedrig, weit unter einem Prozent. Nach wenigen Tagen können die Patienten das Krankenhaus wieder verlassen. Im Gegensatz zu der offen-chirurgischen Operation bedürfen die Patienten hier allerdings einer lebenslangen Nachsorge. Die heutige moderne Behandlung von Aortenaneurysmen bedarf also einer sorgfältigen Nutzen-Risiko-Abwägung.

 

In der gefäßmedizinischen Spezialsprechstunde besprechen wir ausführlich die passenden Optionen für eine für den Patienten optimale Therapie. Gerne fertige ich zur Verdeutlichung für den Patienten auch Zeichnungen an. Mir ist es wichtig, dass mein Patient seine Erkrankung versteht und ich auf partnerschaftlicher Augenhöhe mit ihm seine weitere Zukunft besprechen kann.“