Beraten, Begleiten, Therapieren

Süchte und abhängige Verstrickungen können vielfältige Ursachen haben. Wir wollen Ihre individuelle Situation verstehen und mit Ihnen gemeinsam Lösungswege planen. 

In Krisensituationen finden wir gemeinsam Wege und unterstützen Sie.

Frank Eggebrecht

Kompetent, spezialisiert, fachübergreifend

In unserer Einrichtung Alexianer Bürgerhaus Duisburg beraten, begleiten und therapieren wir Menschen mit Alkohol-, Medikamenten-, Drogen-, Spielsucht, Chemsex- und Sexsucht, Essstörungen, Kaufsucht sowie süchtig entgleistem Arbeitsverhalten. Unser Angebot richtet sich an Betroffene und deren Angehörige.

Im Bürgerhaus arbeiten Ärztinnen und Ärzte, Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter sowie Psychologinnen und Psychologen im Team zusammen. 

Neben den Angeboten der Fachstelle für Glücksspielsucht, befassen wir uns mit Mediensucht und anderen Verhaltenssüchten sowie Impulskontrollstörungen. Darüber hinaus beraten und therapieren wir auch Menschen mit begleitenden seelischen und sozialen Notlagen. 

Wir haben gute Erfahrungen mit der ambulanten Suchtbehandlung gemacht. Für viele Menschen mit einer Abhängigkeitserkrankung ist eine ambulante Behandlung angemessen und Erfolg versprechend. Manchmal ist aber auch eine stationäre Behandlung notwendig, die wir gemeinsam mit Ihnen planen und einleiten.

  • die persönliche Situation zu klären und gemeinsam Lösungen zu finden
  • Suchtverhalten zu diagnostizieren
  • Krisensituationen zu meistern
  • eine aufsuchende Begleitung und Behandlung im Allgemeinkrankenhaus in Anspruch zu nehmen
  • bei Bedarf niedergelassene Ärztinnen und Ärzten sowie Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten, Kliniken, Schuldnerberatungen, ambulantem betreutem Wohnen, Jugend- und Familienhilfe und anderen Institutionen zusammenzuarbeiten
  • Entzugsbehandlungen zu vermitteln
  • eine ambulante, teilstationäre (ganztägig ambulante) oder auch stationäre medizinische Rehabilitation zu organisieren
  • Kontakte zu Selbsthilfegruppen herzustellen
  • Suchtberatung
  • Krisenintervention, Diagnostik und Klärung
  • Frühintervention im Allgemeinkrankenhaus
  • Vermittlung in stationäre Entzugsbehandlung
  • Vorbereitung und Vermittlung in stationäre Rehabilitation
  • Ambulante Suchtbehandlung: Medizinische Rehabilitation
  • Nachsorge
  • Sozialtherapie als Einzel- und Gruppenbehandlung sowie Psychotherapie
  • Ambulante Beratung und Behandlung von Menschen mit pathologischem Glückspielverhalten sowie von Menschen mit kritischem Medienverhalten und deren Angehörige

Neben der ambulanten Suchtbehandlung bieten wir ebenfalls eine ambulante suchtmedizinische Rehabilitation für Menschen mit Alkohol- und/oder Medikamentenabhängigkeit sowie für Personen, die drogenabhängig sind. Auch Personen, die substituiert werden, können unter bestimmten Voraussetzungen die Möglichkeit der ambulanten Rehabilitation für sich nutzen. Auch Menschen, die nach § 35 BtmG Behandlungsauflagen haben, werden bei uns im Rahmen der Rehabilitationen therapiert.

Ein besonderes Angebot unserer Einrichtung ist die Beratung, Begleitung und Therapie von Menschen mit problematischem Glücksspiel-, Medien- und Internetverhalten und für deren Angehörige.

Wir wollen Ihre individuelle Situation verstehen und mit Ihnen gemeinsam Lösungswege planen. Nach einer ambulanten Behandlung können Sie in unserer Einrichtung auch eine ambulante Rehabilitation bei „Pathologischem Glücksspiel“ durchführen. Dieses Angebot führen wir im Rahmen des „Verbunds Ambulante Rehabilitation Pathologisches Glücksspiel Duisburg“ durch. 

Die Fachstelle für Glücksspielsucht ist eine vom Ministerium für Arbeit. Gesundheit und Soziales des Landes Nordrrhein-Westfalen geörderte Fachstelle für Glücksspielsucht - eine Initiative der Landesstelle für Glücksspielsucht NRW.


Zum bundesweiten Aktionstag gegen Glücksspielsucht am 29.09.2021

Lebendige „Spielerarbeit“ im Alexianer Bürgerhaus Duisburg, Zentrum für Abhängigkeitserkrankungen und psychosoziale Therapie
(von Frank Eggebrecht)

Um eines vorweg zu nehmen: Pathologisches Glücksspiel hat rein gar nichts mit Spiel, Spaß, Kreativität oder Entwicklung zu tun. Vielmehr geht es um eine unheilvolle und desaströse Verquickung von sozialen, psychischen, späterhin auch wirtschaftlichen und somatischen Notlagen – am Ende erleben wir Stillstand oder gar Vernichtung.

Die sogenannte „Spielerarbeit“ hat im Bürgerhaus eine lange Tradition, die

bereits in die frühen 90er Jahre zurückreicht. Alles begann mit einer Selbsthilfegruppe, die sich im Laufe der Zeit vom reinen Selbsthilfegedanken getragen, zu einer „expertengestützten Gruppe“ mit sozial- und psychotherapeutischen Elementen durchwoben, wandelte und heute wöchentlich, von 19 bis 21 h als „offenes Spielerforum“ für Betroffene und Angehörige – in praepandemischen Zeiten von bis zu 30 Personen aufgesucht – von Ulf Weidig, dem stellvertretenden Leiter unseres Zentrums, als Großgruppe geleitet wird. In Krefeld wird, mit identischer Konzeption, von unserem Bürgerhaus-Kollegen und Suchttherapeuten Cord Gerber, Montag abends, eine Sprechstunde und eine Gruppe in den Räumlichkeiten der Klinik für Abhängigkeitserkrankungen und Suchtmedizin angeboten.

„Zunehmend kommen Menschen mit Verhaltenssüchten als Medienabhängigkeit“

Das Versorgungsgebiet unseres Zentrums umfasst insgesamt den Großraum Duisburg, mit seinen angrenzenden Städten und Gemeinden. Seit 2011 ist das „Bürgerhaus“ vom Land NRW geförderte Fachstelle für Glücksspielsucht. Seit gut 15 Jahren suchen uns durchschnittlich 200 Klienten/Patienten mit der Leitdiagnose „Pathologisches Glücksspiel“ auf. Hinzu kommt noch eine Vielzahl von Angehörigen und in den letzten Jahren zunehmend Menschen mit Verhaltenssüchten als Medienabhängigkeit, vor allem suchen uns junge Menschen zwischen dem 16. und 25. Lebensjahr auf.
Wir sehen alle Formen und Ausprägungen pathologischen Glückspiels, wobei aktuell, neben den Sportwetten, ein Trend zum Online-Casino auszumachen ist. Dies ist umso problematischer, als das hier erhebliche Spieleinsätze getätigt werden können und kein Limit gesetzt ist und der ohnehin schon unzureichende „Spielerschutz“ völlig wegfällt mit
verheerenden Auswirkungen für „die Spieler*“. Hier muss von politischer Seite eilends Abhilfe geschaffen werden!

„Lebendige Netzwerkarbeit“

 Unser Zentrum ist gut vernetzt mit der niedergelassenen Ärzteschaft, den niedergelassenen Psychotherapeuten*, den umliegenden Kliniken und den entsprechenden sozialen Einrichtungen und Institutionen. In NRW existiert, als lebendige Netzwerkarbeit, zudem die Landesfachstelle Glücksspielsucht in Bielefeld – geleitet von der unermüdlichen, für die Sache der Spieler kämpfenden, Ilona Füchtenschnieder - und die bundesweite Spielerhotline.
Seit 1998 wird von uns in Duisburg ein komplexes und multimodales, sich beständig entwickelndes Angebot vorgehalten, insbesondere für Menschen, die überwiegend schwer und oft langwierig erkrankt und deshalb nur bedingt in der Lage sind, sich selber zu helfen und die erforderliche Teilhabefähigkeit für sich zu realisieren. Das Zusammenspiel unterschiedlicher Berufsgruppen aus den Bereichen der Medizin/Psychiatrie, Sozialarbeit/Sozialtherapie und Psychologie/Psychotherapie ermöglicht, bei sozial und medizinisch klar diagnostizierbaren, schweren psychischen Beeinträchtigungen/Erkrankungen, Linderung des Leids auf sozialer, psychischer und ggfls. somatischer Achse, insbesondere im Hinblick auf Erlangung einer besseren Krankheitsverarbeitung/-bewältigung, zur Stärkung der Kräfte und moderater Modifizierung des Lebensstils, zu ermöglichen. Wenn in vielen Fällen auch keine Heilung im engeren Sinne möglich werden kann, so doch eine Verbesserung der Leistungs- und Teilhabefähigkeit, mindestens jedoch der Lebens- bzw. (Über-) Lebensbewältigungskompetenz, oft sogar kann dauerhafte Abstinenz vom Glücksspiel erlangt werden.„

„Förderung von Autonomie, Würde und Selbstfürsorge“

Die damit einhergehende positive Ausformung des Selbstmanagements, des Gesundheitsbewusstseins, der Selbstwirksamkeitserwartung und Kontrollüberzeugung, hat unmittelbaren Einfluss auf die Autonomie, die Würde und Selbstfürsorge, was i.d.R. die Notwendigkeit stationärer Aufenthalte reduziert, AU-Tage verringert und durch die Einleitung frühzeitiger rehabilitativer Maßnahmen die Leistungs- und Teilhabefähigkeit günstig befördert, sowie einer frühzeitigen Berentung oder dauerhaften Erwerbsarbeitslosigkeit entgegenwirken kann. Auf dem Boden pathogenetischer und salutogenetischer Perspektiven forcieren wir eine kompetente und sensible, besonders auf Kultursensibilität fokussierte Beratungs- bzw. Behandlungskontinuität.

„Pathologisches Glücksspiel geht einher mit erheblichen sozialen und wirtschaft-lichen Problembündelungen“

Pathologischem Glücksspiel als chronischer Erkrankung liegen sehr unterschiedliche, häufig behandlungsbedürftige psychische Konflikte zugrunde. Beispiele wären unterschiedliche Störungen der Persönlichkeitsentwicklung, u.a. sehr frühe Beeinträchtigungen der psychischen Entwicklung als Resonanz- und Bindungsstörungen, neurotische Störungen, psychische Verletzbarkeit durch bzw. als psychotisches, Psychose nahes oder durch Traumata ausgelöstes Erleben. Neben der psychischen Dimension, als oftmals gravierende psychiatrische Krisen, sehen wir auf sozialer Achse erhebliche soziale und wirtschaftliche Problembündelungen als Überschuldung, drohende Wohnungslosigkeit, häusliche Gewalt, als Verlust sozialer Werte und dem Ausblenden beruflicher und familialer Verpflichtungen.

„Illusionäre Verkennung der Idee, alles unter Kontrolle zu haben“

Die gedankliche Zentrierung auf den Spielvorgang und seine Begleitumstände bis hin zum einsetzenden Kontrollverlust, führt überdies zu erheblicher sozialer und wirtschaftlicher Abwärtsmobilität. Spielen wird oftmals als anregend erfahren, es findet eine Gewöhnung ans Spielen statt, es entsteht eine illusionäre Verkennung als Idee alles unter Kontrolle zu haben, Hinterherjagen von Verlusten und schlussendlich entwickelt sich aus dieser Melange problematisches bzw. pathologisch entgleistes Spielverhalten, oft in Allianz mit Substanzmissbrauch auf dem Boden eines malignen Stresskonzeptes. Vor besondere Herausforderungen sind wir bei antisozialen und impulsiven „Problemspielern“ gestellt. Diese sind oftmals kaum im ambulanten Rahmen kontinuierlich zu versorgen. Kontinuität entwickelt sich häufig allenfalls durch die Aneinanderreihung von Kriseninterventionen im Kontext von Gewalt und suizidalen Krisen. Unsere Ambulanz stellt sodann für dieses Klientel eine gewisse Form der „Objektkonstanz“ dar, als Erfahrungsraum für Halt, Sicherheit und Beruhigung. Basale Erfahrungen, die ihnen oftmals im Leben gefehlt haben. Manchmal ergeben sich daraus Entwicklungstendenzen, manchmal entstehen so tragfähige Veränderungen!
Neben Beratung, Diagnostik und Therapie können wir auch ambulante Rehabilitation für pathologische Glücksspieler anbieten, ein hoch frequentes Setting, bestehend aus wöchentlicher, psychodynamischer Einzel- und Gruppentherapie, flankiert von regelmäßigen psychiatrischen Behandlungseinheiten. Eine Option für Menschen mit gewisser seelischer und sozialer Stabilität, bei gleichwohl eingeschränkter oder gefährdeter Leistungs- und Teilhabefähigkeit. Die Möglichkeit der Nachsorge nach stattgehabter stationärer Rehabilitation, die vorzugsweise auch innerhalb der Zusammenarbeit in unserer Ambulanz eingeleitet wurde, rundet unser Angebot ab.

„Beratung und Therapie sind kein Zuckerschlecken“

Beratung und Therapie von Menschen mit Glücksspielproblematik sind kein „Zuckerschlecken“. Tragische Lebensverläufe, existentielle Krisen, alle Formen von Gewalt, Suizidalität, Lüge, Verleugnung, Betrug und moralische Defektzustände sind häufig anzutreffende Sachverhalte. Auf therapeutischer und ärztlicher Seite führt dies, freilich nicht immer und auch nicht dauerhaft, zu beträchtlichen affektiven Turbulenzen. Die Psychoanalyse stellt uns hier glücklicherweise ein probates Hilfsmittel zur Verfügung, indem wir Übertragungen und Gegenübertragungen in Intervisions- und Supervisionssettings diagnostisch und therapeutisch nutzbar auswerten können und in die Lage versetzt sind, diese Erkenntnisse Ziel führend, Entwicklung fördernd und Lösungen/ Ressourcen aktivierend in Beratungs- und Therapieprozesse einweben zu können. Indes, die Frage bleibt: was hilft uns Helfern diese Arbeit zu tun? Gute Beziehungen am Arbeitsplatz, Selbsterfahrung, Fortbildung, frei nach Kurt Lewin: eine gute Praxis setzt eine gute Theorie voraus, ein möglichst intaktes Privatleben, spirituelle Entwicklung, Muße, Humor, Kunst, Sport und Philosophie. Friedrich Schiller hat das in seinen Schriften über die ästhetische Erziehung des Menschen treffend so formuliert: „Denn, um es endlich auf einmal herauszusagen, der Mensch spielt nur, wo er in voller Bedeutung des Worts Mensch ist, und er ist nur da ganz Mensch, wo er spielt.“ Dem ist nichts hinzuzufügen

Artikel: GEFAHR DURCH ONLINE-CASINOS - GLÜCKSSPIELSUCHT: KONTROLLVERLUST BEIM ZOCKEN

© dpa-infocom, dpa:210628-99-172632/3 ; veröffentlicht in: Zeit-Online 29.06.2021


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