Schützen und unterstützen

Unser Behandlungsangebot richtet sich an Kinder und Jugendliche, die unter einer posttraumatischen Belastungsstörung leiden und akut traumatisiert sind. Darauf sind wir in der Psychotraumatologischen Ambulanz für Kinder und Jugendliche spezialisiert.  

Bei den meisten Kindern und Jugendlichen gehen Beschwerden, die als eine normale Reaktion auf nicht "normale" Erlebnisse zu verstehen sind, nach einigen Wochen und Monaten wieder zurück. Bei anderen Kindern zeigen sich Beschwerden erst nach einem größeren zeitlichen Abstand.

Sind Kinder akut traumatisiert, brauchen sie alters- und entwicklungsgerechte Unterstützung. 

Dr. phil. Silvia Janke, Psychologin und Kinder und Jugendlichenpsychotherapeutin

Eine posttraumatische Belastungsstörung wird durch ein Ereignis außergewöhnlicher Bedrohung oder katastrophalen Ausmaßes ausgelöst. Bereits Kinder und Jugendliche können erschütternden und (lebens-) bedrohlichen Erfahrungen ausgesetzt sein und können Opfer oder Augenzeuge von traumatisierenden Erlebnissen sein wie beispielsweise bei:

  • Verkehrsunfällen als Beteiligte oder Augenzeugen
  • beobachteter bzw. erlebter körperlicher, sexueller und psychischer Gewalt wie Misshandlung, sexueller Missbrauch, Vergewaltigung, Überfälle, schwere Körperverletzung, häusliche Gewalt, Mobbing, ...
  • schweren Erkrankungen und (plötzlichen) Todesfällen in der Familie, vor allem bei sehr nahestehenden Angehörigen oder Freunden oder bei Todesfällen durch Suizid
  • Naturkatastrophen und Unglücke (z.B. Wohnungsbrand)
  • allgemeinen Bedrohungserlebnissen

Bei guter und angemessener Unterstützung sind die meisten betroffenen Kinder und Jugendlichen in der Lage, auch erschütternde Erfahrungen gut zu verarbeiten. 

Traumatisierungen können sich nachhaltig auf die die Entwicklung der Kinder und Jugendlichen auswirken. Kinder reagieren anders als Erwachsen auf sehr belastende Ereignisse.  


Beschwerden bei jüngeren Kindern: 

  • Schlafschwierigkeiten, unruhiger Schlaf, Kinder wollen nur noch bei den Eltern schlafen, schreien im Schlaf und haben Albträume
  • zeigen sich ängstlich, klammern sich an Erwachsene, können sich nur schwer von den Eltern trennen
  • sind fremden Menschen gegenüber ängstlich, überwachsam und ziehen sich zurück
  • sind körperlich unruhig und schreckhaft
  • zeigen sich traurig und weinerlich
  • werden teilweise starr, steif und/oder zittern 
  • wiederholen im Spiel immer wieder einzelne Teile des erlebten Ereignisses
  • verlieren das Interesse am gewohnten Spiel und an Freunden und ziehen sich zurück
  • zeigen Abwesenheitszustände, Tagträume, oder plötzliches nicht nachvollziehbares aggressives Verhalten
  • auch psychosomatische Beschwerden, wie Bauch-, Kopfschmerzen und Übelkeit, Trink- und Essbeschwerden
  • zuvor erlernte Fähigkeiten entwickeln sich scheinbar zurück; das Kind nässt oder kotet wieder ein, spricht in der Babysprache, hat wieder Angst vor Dingen, die es bereits selbständig bewältigen konnte

 

Beschwerden bei älteren Kinder und Jugendlichen:

  • verstärkt Albträume, Schlafstörungen und zuvor nicht bestehende Ängste
  • klagen über Erinnerungsbilder (= Intrusionen), -geräusche, -gefühle, -gerüche und merkwürdige Körperempfindungen 
  • berichten über Black-outs und Erinnerungslücken
  • zeigen sozialen Rückzug, Bedrücktheitsgefühle und Grübelneigung
  • entwickeln verstärkte Reizbarkeit bis hin zu „Ausrasten“
  • berichten von innerer Unruhe und „Aufgedrehtsein“, teilweise bei gleichzeitiger Erschöpfung und Müdigkeit
  • auch neu auftretende Konzentrations- und Aufmerksamkeitsstörungen und plötzliche Leistungseinbrüche in der Schule können Beschwerden sein
  • zeigen Selbstverletzendes Verhalten und/oder verändertes Essverhalten
  • Je älter die Jugendlichen sind, desto mehr ähnelt das Beschwerdebild dem der Erwachsenen

Die Leistungen werden im Regelfall über die Krankenkasse abgerechnet. Bei Opfern von Gewaltdelikten werden die Kosten auf der Grundlage des Opferentschädigungsgesetzes (OEG) getragen, bei Arbeitsunfällen/Wegeunfällen in der Regel von der jeweils zuständigen Berufsgenossenschaft.


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