Strukturen aufbauen

Neue Wege in der Versorgung demenzkranker Menschen: Das Demenz-Forschungszentrum der Alexianer Krefeld GmbH kümmert sich um alle Fragen zur Versorgung von Menschen mit Demenz.

Wie kann der Hilfebedarf frühzeitig erkannt und bestimmt werden? Welche Hilfestrukturen brauchen Menschen mit Demenz? Welche Organisationsformen helfen den Menschen am meisten? Wie können sie selbst Einfluss nehmen? Das alles sind Fragen, zu denen das Demenz-Forschungszentrum forscht. 

Hilfebedarf ganzheitlich erfassen, Wissen und Organisationsstrukturen schaffen

Es gilt, den Hilfebedarf von Menschen mit allen seinen Aspekten zu erfassen und flächendeckend hilfreiche Angebote zu entwickeln. Zusätzlich soll Wissen geschaffen und vermittelt werden, wie Ressourcen für Menschen am sinnvollsten und nützlichsten eingesetzt werden können. Die Entwicklung einer organisatorischen Basis ist dabei eine zentrale Voraussetzung.

Zu Beginn hilfreich waren die Erfahrungen mit dem Aufbau sowohl der ersten "Gedächtnissprechstunde" wie auch von Tagespflegen und Alzheimergesellschaften in Deutschland. Die Mitentwicklung des 4. Altenberichts mit der Erarbeitung einer Perspektive für die Demenzversorgung hatte ebenso großen Einfluss. Gemeinsames Lernen mit Alzheimergesellschaften und Fachgesellschaften von der lokalen bis zur europäischen Ebene sowie mit Stadt und Krankenkassen begleitet die Entwicklung des Demenz Forschungszentrums. Einige wesentliche Erkenntnisse sind nachfolgend dargestellt. 

Sobald zu Hause erste Zeichen der Krankheit auffallen, stellt sich die Frage, wer klären kann, ob eine kognitive Störung vorliegt. Die häufigsten Ansprechpartner sind Hausärzte oder Ärzte im Krankenhaus, die oft aus einem anderen Grund aufgesucht wurden. Meist sind die Ärzte mit so vielen Aufgaben beschäftigt, dass ihnen kaum Zeit für die notwendige Diagnostik bleibt. Um hier zu helfen, hat das Demenz-Forschungszentrum eine Reihe von Projekten gestartet.

Mit Unterstützung der Alexianer Krefeld GmbH und des Landschaftsverbands Rheinland wurde das Gerontopsychiatrische Zentrum in Krefeld ausgebaut. Seine Gedächtnissprechstunde stellt fest, ob die Krankheit vorliegt und öffnet den Weg in das komplette soziale Hilfesystem. 

Niedergelassene Haus- und Fachärzte als Vertreter des medizinischen Versorgungssystems und Berater unterschiedlichster Träger als Vertreter des sozialen Systems arbeiten meist nebeneinander. Das Demenz-Forschungszentrum hat die Zusammenarbeit von sozialem und medizinischem System mit dem Begleitenden Unabhängigen Berater (BUK) initiiert. Dieser kommt auf Wunsch auch in die Arztpraxis und bildet mit dem Arzt das Medico-Soziale-Team (MST). Dieses Organisationsgefüge wurde von der Aktion Psychisch Kranke e. V. sowie der Europäischen Gemeinschaft im Projekt "Innovate Dementia" gefördert.

Als direkte Ansprechpartner auf den Stationen somatischer Krankenhäuser wurden Mitarbeiter ausgebildet. Sie sind in der Lage, sowohl Signale für eine vorliegende Demenz als auch Probleme bei fehlender Hilfe zu entdecken. Diese Erkenntnis geben sie weiter an einen Spezialisten für Demenzen. Dieser Weg wurde von der Alexianer Krefeld GmbH und vom Bundesministerium für Gesundheit über das Projekt DEMNET-D mit gefördert. 

Ein Beispiel für die erfolgreiche Überführung in die Regelversorgung ist das Projekt HALMA aus Würzburg, das seit mehr als 20 Jahren eine aufsuchende Notfallversorgung etabliert hat. Damit dies generell gelingt - und Projekte nicht deswegen enden, weil der Initiator umzieht oder in Rente geht - sollten alle beteiligten Nutzer, Anbieter, Professionen und Institutionen zusammenarbeiten. Die gesetzlichen Voraussetzungen sind derzeit so günstig wie nie zuvor. Das gemeinsam genutzte Spezialwissen aller führt die Möglichkeiten der unterschiedlichen Sozialgesetzbücher zusammen und stellt die Finanzierung so auf eine breitere Basis. 

Eine weitere zentrale Bedingung ist die Unterscheidung der einzelnen Funktionsebenen. Dies empfiehlt sich dringend um eine Überforderung, weil eine Person für alles zuständig ist, zu vermeiden. Die verschiedenen Funktionsebenen sollten "hautnah" beim Menschen starten. Es muss einen "Kümmerer" geben, der entscheidet, wann eine Dusche, neue Schuhe oder ein Arzttermin gebraucht werden. Hier wirken etwa Angehörige und Pflegedienste mit. Der Bedarf sollte das Entstehen und Bestehen von Angeboten steuern. Ansätze eines persönlichen Budgets sind dabei äußerst hilfreich. Eine zweite Funktionsebene betrifft Beratung und die Erleichterung der Versorgung. Für diese Funktion gibt es viele Bezeichnungen wie beispielsweise Lotse, Casemanager oder begleitender unabhängiger Koordinator (BUK). Hier dominieren diverse Konkurrenzmodelle von Krankenkassen, Krankenhäusern, diversen Anbietern, Kommunen, Pflegestützpunkten etc. Häufig sind die Begriffe irreführend und die "Helfer" außerdem mit vielen anderen Aufgaben betraut. Meist finden die Hilfesuchenden bei den Beratenden nur eine Teilinformation. Dadurch wird das System für die Nutzer undurchschaubar und schickt sie von Pontius zu Pilatus. Hier gilt es, mehr als eine schön anmutende Fassade von tollen Kürzeln zu schaffen, wenn wirklich geholfen werden soll. Prüfen lässt sich das recht schnell, indem man sich in die Rolle des Nutzers versetzt. Wie bereits angemerkt, sollte er bestimmen, was er benötigt, und dadurch die Versorgungsstruktur mit gestalten. 

Damit die Fachkräfte im System qualitativ hochwertig arbeiten können, benötigen sie eine umfassende Ausbildung. Das Demenz-Forschungszentrum hat hierzu bereits eine ganze Reihe von Ausbildungsprogrammen entwickelt, die auf die verschiedenen Nutzergruppen zugeschnitten sind. Eine gemeinsame Weiterbildung und regionale Zuständigkeiten der Koordinatoren können die Casemanagementarbeit im Quartier optimieren. Solche Koordinatoren der "zweiten Funktionsebene" sollten für rund 6000 Menschen als Maßzahl einer Quartiersgröße oder des persönlichen Sozialraums zuständig sein. In Regionen mit 100'000 bis 150'000 Einwohnern sollten diese sich regelmäßig zur Weiterbildung und Koordination treffen. Übergeordnet koordinierende Funktionsebenen lassen sich für Regionen mit 1 - 1,5 Millionen Einwohnern für die Bundesländer und den Bund abstimmen. So ließe sich eine qualitativ vorbildliche flächendeckende Versorgung etablieren.

 


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