Knochenbrüche im Erwachsenenalter
Moderne Frakturversorgung am Beispiel eines Oberarmkopfbruches
Zu früheren Zeiten wurden die Oberarmkopffrakturen fast ausnahmslos konservativ behandelt, das heißt ohne Operation, manchmal mit einem Pendel-Gewicht oder sog. hanging-cast funktionell behandelt. Auch heute noch behandelt man konservativ falls keine grobe Verschiebung der Bruchstücken vorliegt. Diese Methode bringt durchaus sehr gute Erfolge, vorausgesetzt es liegt keine oder höchstens eine leichte Abkippung des Oberamkopfes vor.
Neben der konservativen Frakturversorgung gab es bereits immer 2 konkurrierende Verfahren zur operativen Versorgung von Knochenbrüchen: die Verplattung und die Nagelung.
Beide Methoden hatten aber Vor- und Nachteile. So erlaubt die Verplattung eine anatomische Korrektur der Fehlstellung durch Anlegen einer Platte von außen am Knochen, allerdings mit größerem Hautschnitt und ohne sehr hohe Stabilität wodurch gerade bei gelenknahen Brüchen eine sekundäre Abkippung nicht immer zu vermeiden war. Der Nagel erlaubt ganz kleine Hautzugänge mit hoher Stabilität da der Nagel in der Markhöhle eingebracht wird, allerdings ohne exakte Repositionsmöglichkeit.
In den letzten Jahren sind aber beide Methoden technisch deutlich verbessert worden, außerdem wird zunehmend auch die Methode des primären Gelenkersatzes zur Frakturversorgung angewandt. Wir werden hier am Beispiel eines Oberarmkopfbruches die 3 Methoden die je nach Bedarfsfall in unserer Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie Verwendung finden näher erklären.

- Targonnagel (Originalbild Firma BBraun)
1. Winkelstabiler Marknagel
So kann bei den einfacheren Fällen eine kleinere Operation durchgeführt werden mit einem minimalem Hautschnitt, wodurch man einen winkelstabilen Nagel (sog. Targonnagel) einführt, der lediglich mit einigen kleinsten Ministichen durch vereinzelten Schrauben verriegelt wird. Diese minimalinvasive Methode ist kaum belastend für den meist älteren Patienten, der Nagel gibt durch seine Lage im Knochenmarkraum eine maximale Stabilität mit frühzeitiger Bewegungsmöglichkeit.

- Philosplatte (Originalbild der Firma Synthes)
2. Winkelstabile Platte
Bei komplizierteren Brüchen hilft nur eine offene Wiederherstellung der ursprünglichen Knochenposition um diese Stellung anschließend zu sichern durch eine ebenso winkelstabile Platte. Diese sog. Philosplatte gibt eine maximale hohe Stabilität mit sofortiger Bewegungsmöglichkeit bei anatomischer Stellung der Fragmenten und dadurch eine gute Beweglichkeit. Auch bei weichem, osteoporotischem Knochen sind diese winkelstabilen Schrauben sehr stabil da sie mit ihrem Kopf in der Platte selbst durch ein zusätzliches Schraubgewinde fixiert werden. Insbesondere wenn der Oberarmkopf abgekippt erscheint oder mehrere Knochenvorsprünge (Tuberculum maius und minus) mit wichtigen Sehnenansätzen (Rotatorenmanschette) abgerissen sind, kann durch die Philosplatte die instabile Situation gerettet werden und eine stabile Versorgung ermöglicht werden.

- Oberarmkopfprothese (Originalbild der Firma Mathys-Medical)
3. Oberarmkopfprothese
Letztendlich gibt es Fälle wobei der Oberarmkopf durch den Bruch alleine bereits komplett von der Blutversorgung abgeschnitten wurde (ähnlich wie bei einem Oberschenkelhalsbruch) wodurch eine Heilung nicht mehr erwartet werden kann weil der Kopf nicht mehr durchblutet ist und deshalb auch nicht mehr heilen kann. In solchen Fällen wird primär eine Oberarmkopfprothese (sog. Affinis-Fracture-Prothese) eingesetzt um eine stabile Situation zu erzeugen ohne Schmerzen. Inwiefern diese Prothese auch wiederum eine normale Beweglichkeit zuläßt hängt von vielen Faktoren ab, Hauptsache ist jedoch die Schmerzfreiheit und geringe aber stabile Beweglichkeit bis ca 45°. Bei idealen Fällen und intensive Nachbehandlung kann allerdings auch eine sehr gute Beweglichkeit, ja sogar teilweise über Kopfniveau erreicht werden!
Sämtliche Behandlungsmethoden werden regelmäßig und mit ausreichender Erfahrung in unserer Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie von uns durchgeführt, insbesondere ermöglichen uns die 3 verschiedene Methoden eine situationsadaptierte und somit bestmögliche Versorgung für jeden Einzelfall.

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